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Gold und Silber lieb ich sehr

Gastblog von Mag. Harald Kolerus

… kann’s auch gut gebrauchen, 
hätt’ ich nur ein ganzes Meer, mich hineinzutauchen.“ Comic-Fans klingt dieser Wahlspruch von Dagobert Duck, seines Zeichens die reichste Ente der Welt, sicher noch im Ohr. Aber wie hoch ist eigentlich das Vermögen von Onkel Dagobert? Hier gehen die Angaben auseinander.

dagobert

Billionen, Trillionen, Fantastilliarden

Einmal ist von über fünf Billionen Talern die Rede, dann wieder gar von 336 Trillionen. Im Deutschen und Französischen steht die Trillion für eine Million hoch 3, was einer 1 mit 18 Nullen entspricht. Im US-Englischen hat die Trillion wiederum die Bedeutung der deutschen Billion (1000 Milliarden).

In der Dagobertschen Finanzwelt wird auch gerne mit Fantastilliarden um sich geworfen – wie der Name nahe legt ein Fantasiebegriff, den Donaldisten wiederum mit einer Trillion gleichsetzen wollen. Leider ist der Umwechslungskurs vom Entenhausener Taler zu Euro oder Dollar nicht bekannt, auch liegt die Inflationsrate im Dunkeln. Arm wie eine Kirchenmaus ist Dagobert aber sicherlich nicht, angeblich soll alleine aus seinen Steuerzahlungen die Stadt Entenhausen erhalten werden. Wenn das in der wirklichen Welt doch auch so einfach wäre – in der Realität sind die Staatskassen, ganz im Gegensatz zum Duckschen Geldspeicher, gähnend leer.

In der Kreide

EuroIn Österreich lag das BIP 2015 bei 309,95 Milliarden Euro, das Defizit der öffentlichen Hand entsprach wiederum 1,4 Prozent dieser Summe. Ein Prozentsatz der jetzt nicht besonders dramatisch klingt – jedoch: Steter Tropfen höhlt den Stein. Insgesamt hat die Alpenrepublik einen beträchtlichen Schuldenberg von 277,4 Milliarden Euro oder rund 84 Prozent des BIP angehäuft (Zahlen aus 2014. Quelle: Wifo).

Allerdings gilt es bei all diesen Zahlen Vorsicht walten zu lassen, so existieren unterschiedliche, mitunter diskussionswürdige BIP-Berechnungsmethoden. Umstritten ist etwa die Miteinbeziehung der Schattenwirtschaft, also zum Beispiel von Prostitution, Drogenhandel oder schlichtweg Schwarzarbeit. In der EU ist das Einfließen dieser „Grauzonen“ mittlerweile zum Standard erhoben worden, was auch Kritiker wach gerüttelt hat. Man wolle so das BIP künstlich in die Höhe treiben, was ja letztlich auch im Vergleich zu den Schulden ein gefälligeres Bild bieten würde. Auch sei die Schattenwirtschaft schwer zu erfassen und wage Schätzungen könnten regieren.

Nur nicht fantasieren

Ganz von der Hand sind solche Vorwürfe nicht zu weisen, wesentlich ist aber, dass einheitliche Standards gelten, um überhaupt die Basis des Vergleichs unterschiedlicher Volkswirtschaften zu schaffen.

Unternehmer wiederum haben es in der Regel leichter als Staaten, sich einen Überblick zum Geschäftsverlauf zu verschaffen: Sie gehen mit überschaubaren Summen, etwa zu Einnahmen und Ausgaben sowie einer weitaus geringeren Anzahl von Datensätzen, um. Komplexer wird es bei der Definition von Unternehmenszielen und dem Erkennen von Erfolgen und – noch härter – Misserfolgen. Deshalb gilt: „Weiche“ Vorgaben zu „harten“ Tatsachen machen, dafür sind verifizierbare Kennzahlen und verbindliche Standards notwendig. Finanz-Fantasien passen nur ins Comic.

Übrigens: Bei „Gold und Silber lieb’ ich sehr“ handelt es sich ursprünglich um ein Studentenlied. Weiter im Text heißt es: „Doch viel schöner ist das Gold, das vom Lockenköpfchen 
meines Liebchens niederrollt in zwei blonden Zöpfchen. 
Darum, du, mein liebes Kind, lass uns herzen, küssen …“ Letztlich kommt es also doch nicht nur auf den schnöden Mammon und materielle Werte an!

 

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