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Who watches the Watchmen?

Gastbeitrag von Mag. Harald Kolerus

Schon der römische Schriftsteller Juvenal stellte sich die Frage „Quis custodiet ipsos custodes?“ Frei übersetzt: „Wer wird über die Wächter selbst wachen?“

Der Poet lebte zwischen dem ersten und zweiten nachchristlichen Jahrhundert, das Problem zieht sich also über die Jahrtausende: Wie sollen Kontrollinstanzen, die über den rechten Lauf der Dinge urteilen, selbst kontrolliert werden? Auf augenzwinkernde Art und Weise hat sich das Kult-Comic „Watchmen“ von Alan Moore und Dave Gibbons des Themas in den 1980ern angenommen. Der Stoff wurde im gleichnamigen Film Zack Snyders aus dem Jahr 2009 verfilmt. Hier wacht eine Gruppe von selbsternannten Superhelden über eine aus den Fugen geratene Welt. Nur sind diese Watchmen leider ein ziemlich chaotischer bis paranoider Haufen mit Hang zu Selbstüberschätzung bis hin zum Größenwahn. Die zweifelhaften Helden verlieren die Kontrolle (über sich selbst), die Hybris führt letztlich in die Katastrophe …

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Skandal: 340 Millionen futsch

In der Realität haben Selbstüberschätzung, mangelnde Kontrolle und schlichtweg das Scheitern an einer zu komplexen Materie ebenfalls nicht selten katastrophale Auswirkungen. Ein Beispiel dafür bietet der Salzburger Spekulationsskandal, dessen Protagonisten sich auch nicht gerade als Superhelden erweisen haben. Kurz zur Erinnerung: Im Dezember 2012 war bekannt geworden, dass eine Mitarbeiterin des Landes Salzburg mit Derivativgeschäften einen Buchverlust von rund 340 Millionen Euro verursacht haben soll.

Gegenseitige Schuldzuweisungen 

Nach Medienberichten soll die damalige Leiterin des Referats für Landesfinanzen, Monika Rathgeber, seit Jahren an allen Kontrollen vorbei in geheimen Aktien- und Anleihen-Portfolios mit dem Steuergeld des Landes spekuliert haben. Schöner Schaden! Aber trägt nur sie die Verantwortung? Wenig überraschend ist, dass sich die politischen Parteien gegenseitig die Schuld zuschieben. So sprach etwa Salzburgs ÖVP-Obmann Wilfried Haslauer in einem Interview mit der Tageszeitung Die Presse von einem „lupenreinen SPÖ-Skandal“.

Kritisiert wurde aber auch Wolfgang Eisl (ÖVP), der bis 2004 Finanzlandesrat war und die Vollmacht für spekulative Derivatgeschäfte erteilt haben soll. Ohne eine Schuldzuweisung aussprechen zu wollen, hat offensichtlich das System von Checks und Balances in Salzburg versagt. Wie sieht es mit dem Rechnungshof (RH) als unabhängiger Kontrollinstanz aus? Auch hier wird ein Versagen zurückgewiesen. Der RH sei laut Präsident Josef Moser nicht über die einschneidenden Ereignisse in Salzburg informiert worden, er habe aber die jahrelange Durchführung von Derivativgeschäften mit hohem Volumen und teilweise spekulativem Hintergrund kritisiert.

Hilf dir selbst!

Wer in der Causa die Verantwortung trägt, müssen wohl die Gerichte entscheiden. Um finanzielle Katastrophen wie in Salzburg zu verhindern, lautet das Zauberwort aber: Objektivierung. Die Kennzahlen, mit denen täglich gearbeitet wird, müssen auch ständig beobachtet und ausgewertet werden. Sie müssen auch mit den zugrundeliegenden Zielen in Übereinstimmung gebracht werden, ein strenger Modus Operandi und Computerunterstützung helfen dabei. Letztlich kontrolliert sich der Verantwortliche selbst. Denn es liegt ja in seinem ureigensten Interesse, finanziellen Schaden, Imageverlust und vielleicht sogar eine Verurteilung vor Gericht tunlicht zu vermeiden.

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